Österreichs Gretchenfrage: Nun sag´, wie hast du´s mit der wissenschaftlichen Redlichkeit?

Da steh ich nun ich armer Thor! Und bin so klug als wie zuvor. So hat die Agentur für wissenschaftliche Integrität festgestellt, dass an Herrn Johannes Hahns Doktorarbeit nichts zu bemängeln sei, da damals an der altehrwürdigen Universität Wien wissenschaftliches Arbeiten noch gar nicht praktiziert wurde?!? Persönlich und vertraulich (!) wurde Frau Prof. Dr. Kopp kurz und knapp von der österreichischen Kommission für wissenschaftliche Integrität mitgeteilt, dass die fragliche Arbeit NICHT den Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens entspricht, ABER es sei nicht zu verfizieren, ob diese an der Universität Wien damals schon gegolten hätten!!!

Für Hahn ist dies ein zufriedenstellendes Ergebnis, für Österreichs Wissenschaft aber verheerend. Es bedeutet nämlich nichts weniger, als dass an der einzigen Universität des Landes, die auf internationalen Rankings einigermaßen von Bedeutung ist, noch nicht einmal wissenschaftliche Standards vorausgesetzt werden können. Damit stellt die Kommission quasi amtlich fest, dass eine der ältesten Universitäten der Welt es verabsäumt hat, umfassend von der mittelalterlichen Praxis des Transkribierens auf die wissenschaftliche Methoden der Moderne umzusteigen. Das Ansehen österreichischer Universitäten wird in aller Öffentlichkeit der Lächerlichkeit Preis gegeben.

An der Universität Wien glaubt man dazu noch, mit der Veröffentlichung dieses geistigen Armutszeugnisses die wissenschaftliche Ehre wieder hergestellt zu haben. Statt dessen wird öffentlich beglaubigt, was viele ahnen, dass hierzulande der Preis akademischer Titel nach sozialer Stellung variieren.

Wieder mal hat ein hochbezahlter Beamtenadel einen unermesslichen Scherbenhaufen hinterlassen. Nicht einmal die Gutachter dieser hochnotpeinlichen “Stellungnahmen” wollen offensichtlich damit in Verbindung gebracht werden. Nachfragen unerwünscht.

Von einer Tragödie kann man aber nicht sprechen. Erstens meinen die allermeisten Beobachter, dass es völlig belanglos ist, ob eine Arbeit in Philosophie abgeschrieben wurde oder nicht. Zweitens finden die allermeisten Absolventen der Universität Wien nichts dabei, wenn ihr Kommilitone und späterer Wissenschaftsminister (!) den Doktortitel unredlich erhalten hat.

Vielleicht ist den Akademikern nicht klar, dass der Preis für die Reinwaschung dieser Promi-Doktorarbeit die Reputation ihrer Diplome ist. Hier wurde österreichische Wissenschaft auf das Niveau einer Bananenrepublik geschraubt. Ich bin zwar grundsätzlich gegen Studiengebühren, aber anscheinend brauchen Absolventen eine Ahnung davon, was anderswo ein Abschluss an einer ähnlich gerankten Universität kostet und was so ein Abschluss eigentlich wert ist. Der Gratis-Doktor der Uni-Wien scheint deren Trägern jedenfalls nicht kostbar genug, um sich gegen diese kollektive Demütigung zu stellen.

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